Bienwald - Naturschutzgroßprojekt

Das Naturschutzgroßprojekt Bienwald
Von KERSTIN ARNOLD, Kreis Germersheim, Projektleiterin
Mit dem im Juli 2004 gestarteten Naturschutzgroßprojekt Bienwald leistet der Bund einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des nationalen Naturerbes und zur Sicherung von Gebieten, die innerhalb Deutschlands aber auch im europäischen Kontext einen herausragenden Wert für den Naturschutz besitzen. Das rund 18.000 Hektar große Projektgebiet umfasst die einmalige Schwemmfächerlandschaft zwischen Pfälzerwald und Rheinauen. In dem größten zusammenhängenden Waldgebiet der oberrheinischen Tiefebene finden sich die letzten urständigen Bachauenwälder Süddeutschlands. Das Mosaik verschiedenster Biotoptypen von trockenen Dünen bis hin zu nassen Bruchwäldern macht den Bienwald und die angrenzenden grünlandgeprägten Talniederungen zu einer aus naturschutzfachlicher Sicht besonders bedeutsamen Landschaft. Das Gebiet ist Lebensraum für eine Vielzahl von landes- und bundesweit gefährdeten Pflanzen- und Tierarten und spielt beim Aufbau des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 eine zentrale Rolle.

Im Jahr 2005 wurden von den vier beauftragten Planungsbüros umfangreiche Bestandserhebungen durchgeführt. Neben den rein naturschutzfachlichen Erhebungen zu Fauna, Flora und Biotopen werden auch weitere Aspekte zur hydraulisch- 

Lage des Bienwaldes (Kartengrundlage Peter Schüle: 
Rheinprovinz und Rheinhessen-Pfalz).
hydrologischen Situation des Wasserhaushaltes, zur Besucherlenkung und Nutzungsentflechtung sowie zu den sozioökonomischen Auswirkungen des Projektes auf die Region untersucht. Insbesondere die naturschutzfachlichen Erhebungen haben gezeigt, dass die Artenvielfalt und der Wert des Bienwaldes noch höher ist, als bisher von den Experten angenommen. Das Gebiet nimmt sowohl im bundesweiten als auch im europäischen Vergleich bei vielen Arten einen Spitzenrang ein und zählt damit zu den bedeutendsten Gebieten in der Pfalz.

Ziel des Projektes ist der Schutz, der weitere Biotopverbund und die spezifische Pflege und Entwicklung der charakteristischen Biotoptypen des Bienwaldes und der angrenzenden Niederungsbereiche. Ein wesentlicher Aspekt ist die Einrichtung von Naturwaldflächen, die ohne menschliche Bewirtschaftung ihrer eigendynamischen Entwicklung überlassen bleiben. Zudem sind die beispielhafte ökologische Waldentwicklung, die naturnahe Gewässerentwicklung und die extensive Grünlandbewirtschaftung sowie die Schaffung eines standortangepassten Landnutzungsmosaiks im Offenland vorgesehen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schaffung eines hohen Naturerlebnisses bei gleichzeitigem größtmöglichem Schutz für den Naturhaushalt durch gezielte Umweltbildung und Besucherlenkung.


Naturschutzgroßprojekt "Bienwald und Viehstrich" (©Kreis Germersheim, zum Vergrößern anklicken).

Wichtige Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg des Projektes ist eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung und eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Naturnutzern. Deshalb setzt das Projekt auf einen breit angelegten Dialogprozess und ein von Anfang an transparentes Verfahren. In zahlreichen Veranstaltungen wurde die Bevölkerung in die Erarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes einbezogen. Die Ergebnisse der Planer wurden von der Region mit großem Interesse aufgenommen und durch eigene Erfahrungen aus früheren Jahren ergänzt. Gleichzeitig werden die Veranstaltungen genutzt, um gemeinsam mit der Region über eine nachhaltige Nutzung und Entwicklung des Gebietes nachzudenken.

Das von den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße getragene und mit Mitteln des Bundesamtes für Naturschutz und des Ministeriums für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz geförderte Projekt ist in zwei Phasen gegliedert. Während der dreijährigen ersten Projektphase wird für das Gebiet ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. In einem zweiten Schritt sollen dann während weiterer acht Jahre die Maßnahmen zur Förderung und Sicherung des Arten- und Biotoppotentials umgesetzt werden.
http://www.kreis-germersheim.de/naturschutzgrosprojekt-bienwald.html